"Loading..."
Image

10.500 Euro Geldbuße: Wenn der YouTuber mit der Werbung...

So manch ein Vertriebler oder Marketingexperte wundert sich, dass in YouTube-Kanälen geschminkt wird was das Zeug hält - oder bei manchen Beauty-Produkten auch nicht hält - und dabei fröhlich das Produkt und jenes Produkt als "gaaaaaanz gaaaanz toll und fancy" empfohlen wird. Ja. Empfohlen. WERBUNG! Aber die Kennzeichnung davon? Die fehlt. Gut. Viele sind ja auch noch Minderjährig. Und es ist ohnehin "nur YouTube". Doch die Zeiten ändern sich - und das in diesem Fall mit einem Paukenschlag: Einem YouTuber droht nun eine Geldbuße von 10.500€ für Schleichwerbung....

"Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Wer professionell auf YouTube oder ähnlichen Plattformen agiert, muss sich auch an die geltenden Werbebestimmungen halten."  Ein klares Statement von Lothar Hay, Vorsitzender des Medienrats der Medienanstalt Hamburg / Schleswig-Holstein (MA HSH). So klar, dass es den YouTuber "Flying Uwe" 10.500€ Bußgeld kosten kann. Konkret bezieht sich die MA HSH auf drei Videos, in denen der Influencer überaus positiv über Produkte spricht, ohne die Videos als "Dauerwerbesendung" zu kennzeichnen. Damit verstoße er laut der Medienwächter gegen die Werbegrundsätze des Rundfunkstaatsvertrags. Denn die gelten auch für Telemedien - also auch Internet - wenn hier "fernsehähnliche Inhalte" zu sehen sind.

Ach wie gut dass niemand weiß, dass ich heimlich "Werber" heiß

Kaum ein Event oder eine Kampagne wird heutzutage ohne Influencer geplant. Klar: Das hat Reichweite. Das hat Authentizität. Das hat vor allem eins, was herkömmliche Unternehmen nicht haben: Das hat Vertrauen inne. Die Millionen von Followern vertrauen dem Influencer. Das macht sie ja so wertvoll. Und zwar nicht nur wenn man sich die Abonnenten der Kanäle anschaut. Ganz allgemein sind die Nutzungszahlen der Videoplattform gigantisch:

- weltweiter Umsatz von YouTube 2015: ca. 6 Milliarden US-Dollar (Schätzwert)

- Marktanteil in Deutschland: rund 81 Prozent

- Anteil aktive und passive Nutzer 2016: 69 Prozent

- aktive Kanalbetreiber in Deutschland 2015: ca. 2,9 Millionen Nutzer (regelmäßige Uploads)

 (Quelle <https://de.statista.com/themen/162/youtube/> )

Richtig eingesetzt - also richtiger Influencer, richtige Zielgruppen, richtige Darstellung des Produkts - kann das durchaus eine sinnvolle Marketing-Strategie sein. Aber warum eigentlich dieser Umweg über andere? Warum machen Unternehmen das nicht selbst? Die Gründe dafür sind vielseitig - ein Hauptproblem allerdings kennt Editorial Marketing-Expertin Sarah Elßer nur zu gut:

"Wir stellen immer wieder in unserer täglichen Arbeit fest: Als Unternehmen ist man einfach weder Fisch noch Fleisch, wenn man eigene Kanäle betreibt. Das ist dann immer - wie es so schön juristisch heißt - eine Einzelfallentscheidung. Selbst wenn der Kanal KEINE Produkte der Firma bewirbt, gilt er nicht automatisch als "Presse", sprich die Produzenten haben nicht automatisch dieselben Rechte wie Pressevertreter. Im Zweifel ist man automatisch immer mehr der Werbung zugeordnet, eben weil man als Absender ein Unternehmen ist. Da kommt ein Unternehmen einfach nicht hinter den unbedarft und authentisch geltenden Influencern hinterher..."

Auch andere YouTuber betroffen

Über 1 Million Follower - so viel hat "Flying Uwe". Eine Menge Leute, die ihm ihr Vertrauen schenken. Kein Einzelfall, auch nicht was das Thema "Schleichwerbung" angeht. Weitere 30 YouTuber sollen die Medienwächter im Frühjahr dieses Jahres auch angeschrieben haben. Auch hier könnten Bußgelder drohen. Ob "Flying Uwe" Rechtsmittel einlegen wird, kann man an der Stelle nur abwarten. Genau wie die Entwicklung auf YouTube in Sachen "Schleichwerbung". Aber klar ist: Die Medienwächter meinen es dieses Mal verdammt Ernst...

Eigene Medienkanäle juristisch sicher aufbauen? Das Interview dazu in voller Länge bald auf www.awen.de und auf www.awen.blog!



Zurück zur awen.BLOG - TIMELINE